Concepción

Concepción

500 Kilometer südlich von Santiago und nur wenige Minuten vom Meer entfernt liegt Chiles zweitgrößte Stadt: Concepción. Conce – wie die Chilenen sagen, ist die Hauptstadt der IIIV. Region, der Región Bío-Bío. Hier, wo Chile nach Santiago am dichtesten besiedelt ist, leben ca. eine Millionen Menschen.
Concepción gehört zu den ältesten Städten Chiles. Es wurde 1550 an der Mündung von Chiles größtem Fluss, dem Bío-Bío, als Festung gegen die Mapuche gegründet. Die Mapuche, ein indigenes Volk, das in weiten Teilen des heutigen Chiles und in Teilen Argentiniens beheimatet war und ist, wehrten sich jedoch erbittert gegen die spanischen Konquistadoren. Sie zerstörten Concepción – wie auch andere spanische Festungen – mehrmals. Nach verlustreichen Schlachten kam es zu einem einmaligen Vorgang bei der Eroberung des amerikanischen Kontinents: einem Friedensvertrag mit einem indigenen Volk, in dem den Mapuche die Hoheitsrechte über ihre Gebiete zugesichert wurden. Als Grenze wurde der Bío-Bío festgelegt. Abgesehen von einigen erfolglosen Eroberungsversuchen, hatte der Vertrag bis zum Ende der Kolonialzeit bestand, denn der neu gegründete chilenische Staat sah sich nicht mehr an den Vertrag der Spanier gebunden. 1883 wurden die Mapuche schließlich geschlagen und die Gebiete südlich des Bío-Bío dem chilenischen Territorium einverleibt.

Obwohl Concepción und seine Umgebung in ihrer Geschichte mehrmals von großen Erdbeben und Tsunamis betroffen waren, entwickelte sich die Stadt mit den nahegelegenen Häfen in San Vicente, Talchuano und Lirquen zur zweitwichtigsten Wirtschafts- und Handelsregion des Landes. Besonders wichtig sind zum einen die Chemie-, Eisen- ,Stahl- und Ölindustrie. Zum anderen spielen Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und die damit in Zusammenhang stehende Lebensmittel- und Holzindustrie eine tragende Rolle. Das letzte große Erdbeben mit anschließendem Tsunami suchte Chile erst am 27. Februar 2010 heim. Concepción, andere Städte der Region und die Häfen waren besonders stark von Zerstörungen betroffen. Gebäude stürzten ein und die Stadt war mehrere Tage von der Außenwelt abgeschnitten. Doch der Wiederaufbau kam schnell voran. Da es seitdem große Fortschritte bei der Rekonstruktion der Häfen und Städte gab, hat diese Katastrophe die wirtschaftliche Entwicklung der Region nicht zurückgeworfen.

Wegen der vielen Erdbeben hat Concepción fast alle seine Kolonialgebäude verloren. Daher ist Concepción eine ziemlich moderne Stadt und wird es noch weiter werden. Denn nicht nur in den letzten zwanzig Jahren sind hier viele (erdbebensichere) Hochhäuser entstanden. Auch nach dem letzten großen Beben ist es zu einem anhaltenden Boom in der Immobilien-Branche gekommen. Aufgrund seiner Modernität besitzt Concepción für viele Chilenen – insbesondere Studenten und junge Familien – eine große Attraktivität, zumal die Región Bío-Bío zu den reichsten des Landes gehört und man hier gut Arbeit finden kann.

Für Studenten ist Concepción aber auch besonders attraktiv, da die 1919 gegründete staatliche Universidad de Concepción nicht nur die drittgrößte Chiles, sondern auch eine der besten Lateinamerikas ist. An den 18 Fakultäten der Universität studieren etwa. 60.000 Studenten. Daneben gibt es noch andere kleinere staatliche und private Universitäten in der Stadt, sodass Concepción zu Recht als „Uni-Stadt“ bezeichnet werden kann.

Die Universidad de Concepción hat einen entscheidenden Anteil an der ökonomischen Entwicklung der Region. Sie spielt aber ebenso im kulturellen Leben der Stadt eine wichtige Rolle. So ist z.B. die „Casa del Arte“, auch „Pinacoteca“ genannt, im Besitz der Uni. Dieses Kunstmuseum beherbergt mit über 1.8000 Gemälden verschiedener Epochen der Vergangenheit bis zur Gegenwart die umfassendste Sammlung chilenischer Malerei. Neben der Dauerausstellung gibt es seit einigen Jahren auch wechselnde Ausstellungen, auf denen auch die Werke internationaler Künstler gezeigt werden. Die Hauptattraktion des Museums ist jedoch das Wandgemälde „Presencia de América Latina“ des Mexikaners Jorge González Camarena, einem Vertreter der aus Mexiko stammenden Kunstrichtung des Muralismo. Das gigantische Wandgemälde stellt die Entwicklung der Völker Lateinamerikas dar.

Einige berühmte Musiker und Künstler stammen aus Concepción oder haben hier ihre Ausbildung gemacht. Besonders erfolgreich sind ein paar Rock-Bands, manche sogar mit internationalem Erfolg. Dazu gehören z.B. Los Tres, Los Bunkers oder Santos Dumont. Concepción ist insbesondere für Musikliebhaber eine interessante Stadt, denn es gibt ein großes Angebot an Musikfestivals und Konzerten aller Musikstile. Doch besonders bekannt ist Concepción als die „Jazz & Rock“-Stadt des Landes.

Concepcións grüne Lunge ist der Parque Ecuador, zu dem auch der 250 Meter hohe „Cerro Caracol“ – der Schneckenberg – gehört, auf dem man ein etwas altertümliches Monument findet. Es wurde von deutschen Siedlern zu Ehren Otto von Bismarcks gebaut. Der Park ist vor allem bei jungen Leuten ein beliebter Treffpunkt. An den Wochenenden trifft man hier viele Jogger, Radfahrer oder Leute, die hier einen Spaziergang machen. Familien mit Kindern besuchen diesen Park auch sehr gerne, da die Kinder hier ruhig spielen können und man die Natur genießen kann. Im Park liegen außerdem ein historisches Museum, die Stadtbibliothek, alte Ruinen der ersten Schule der Stadt und einige Restaurants. Nicht zuletzt ist der Park auch der schönste Weg, um in die Uni und das Univiertel zu kommen.

Eine weitere gute Möglichkeit, sich vom Alltag zu erholen und der Großstadt zu entfliehen, bieten die Laguna Chica und die Laguna Grande. Die beiden Seen sind bei den Bewohnern von Concepción sehr beliebt. Sie liegen in San Pedro de la Paz, ganz in der Nähe von Concepción Richtung Küste. Viele gehen täglich zu den Seen, um hier Sport zu treiben oder einfach, um die Ruhe zu finden. Hier befinden sich auch die Ruderclubs der Stadt. Dieser Sport ist seit einigen Jahren sehr „in“ und so finden jedes Jahr mindestens vier Ruderregatten statt.

Gerade einmal 20 Minuten vom Stadtzentrum entfernt hat Concepción ein Naturreservat zu bieten: die Reserva Nonguén. Im Park leben seltene Tiere, wie z.B. der kleine Pudú-Hirsch oder auch der Darwinfrosch. Der Park lädt zum Wandern oder Mountainbike-Fahren ein. Man kann es aber auch ganz entspannt angehen lassen, denn dort im Wald befindet sich auch das kleine, aber moderne Wellness-Bad „Camino del Agua“ mit Schwimmbecken, Nass- und Trockensauna, Massagen und anderem.

Concepción selbst ist zwar kein Touristenmagnet. Doch in der Region ist der Tourismus aufgrund der Vielfältigkeit der Landschaften und vieler Naturschönheiten – sommers wie winters – ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Attraktiv an der Lage Concepcións ist, dass man einerseits in nur wenigen Minuten am Strand und andererseits in nur wenigen Stunden in den Bergen ist.

Im Herbst und Winter fahren viele Richtung Anden, denn in der VIII. und IX. Region befinden sich mit die schönsten Nationalparks Chiles – viele haben einen Vulkan, wie z.B. die Reserva Nacional Malalcahuello oder der Parque Nacional Conguillio. Die Parks haben große Bestände der gefährdeten Aurakarie, einem immergrünen Baum mit schirmartiger Krone. Im Herbst lässt es sich hier wunderbar wandern. Die Farbenpracht der Mischwälder ist überwältigend. Dieses Naturspektakel sollte man auf keinen Fall verpassen. Im Winter locken dann die Skigebiete, wie zum Beispiel um Chillan, die Leute an. Wer jedoch nicht auf einem oder zwei Brettern die Anden herunterrutschen möchte, auch dem hat die Natur der Anden im Winter etwas zu bieten: Naturbäder mit heißen Quellen.
Gerade einmal 125 km südöstlich von Concecpción – für chilenische Verhältnisse ein Katzensprung – kann man eine der attraktivsten Naturschönheiten des Landes kennen lernen: die Saltos de la Laja. Die insgesamt vier einzelnen Wasserfälle sind zwischen 20 und 35 Meter hoch. Dort kann man Bootsfahrten machen, um die Wasserfälle zu entdecken; dann gibt es verschiedene Wanderwege, außerdem Campingplätze und Restaurants, wo man typisch chilenisch essen kann.

Fährt man Richtung Küste, gibt es auch einiges zu erkunden. Äußerst nah an Concepción gelegen und unbedingt einen Besuch wert, ist Hualpén. Das Städtchen liegt an der Mündung des Bío-Bío, an der zahlreiche Angler ihr Glück probieren. Aber auch wer dem Angelsport nicht zugeneigt ist, kann hier einen schönen Tag erleben, denn vom Cerro Amarillo, einem Hügel, hat man einen herrlichen Blick auf den gigantischen Bío-Bío und den Pazifik gleichzeitig. Dann sollte man auch der Halbinsel Península de Hualpén einen Besuch abstatten. Hier findet man einen hübschen Park, in dem sich ein Museum befindet. Das Museum beherbergt die vielfältige Sammlung einer der einflussreichsten und reichsten Familien der Region, die bei zahlreichen Reisen Gegenstände aus der ganzen Welt mitgebracht hat, darunter auch eine Mumie. Auf der Halbinsel befindet sich auch das kleine Fischerdorf Chome, in dem es bis 1983 eine Walfangfabrik gab. Die Reste dieser ehemaligen Anlage sind heute dem Verfall preisgegeben. Doch es gibt Überlegungen, sie als Industriedenkmal zu bewahren und touristisch zu erschließen. Schließlich kann man auf der Halbinsel noch die Bucht von Ramuntcho aufsuchen. Denn dort findet man einen herrlichen weißen Sandstrand, der ein wenig an die Karibik erinnert.

Entlang der Küste findet man natürlich noch weitere schöne, weite Strände und einige gemütliche Fischerdörfchen. Im Sommer sind Tomé und Dichato die beliebtesten Orte, um die Strände, das Meer und die Sonne zu genießen. Das Pazifikwasser ist zwar aufgrund des kalten Humboldtstroms sehr kalt und taugt den meisten Leuten höchstens für eine kurze Abkühlung, doch Bodyboard, Segeln, Wellenreiten und Windsurfen sind populäre Freizeitaktivitäten.

Interessant ist auch Lota, ein kleines Städtchen an der Küste südlich von Concepción. Früher wurde hier Kohle abgebaut. Deswegen wurde hier auch Chiles erstes Wasserkraftwerk gebaut, welches heute den Status eines nationalen Monuments innehat. Außerdem gehört zu Lota ein Park mit vielen Bäumen und Tieren, in dem sich wie in Hualpén ein Museum mit den Sammelstücken einer reichen Familie der Region befindet.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Concepción ein guter Ort für all diejenigen ist, die sich nicht entscheiden können und das Großstadtleben und die Natur gleichermaßen brauchen.

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