Córdoba

Córdoba – La Docta

Im Volksmund wird Córdoba, die zweitgrößte Stadt Argentiniens, die im Herzen des Landes liegt, auch La Docta (die Gelehrte) genannt. Historisch gesehen, ist der Grund hierfür, dass in Córdoba 1613 von Jesuiten die erste Universität des Landes (die viertälteste des amerikanischen Kontinents) gegründet wurde und die Universidad de Córdoba für lange Zeit auch die einzige Universität des Landes blieb. Doch auch heute ist der Spitzname La Docta noch gerechtfertigt, denn neben der altehrwürdigen und international renommierten Universidad de Córdoba gibt es in der Stadt zahlreiche weitere Universitäten, Forschungs-, Bildungs- und Kultureinrichtungen. Deshalb zieht es viele Studenten und Kulturschaffende dorthin, die die Stadt zu einem lebendigen und spannenden Ort machen, an dem es immer etwas zu erleben gibt.
Córdoba, gegründet 1573, ist nicht nur eine der ältesten Städte Argentiniens, sondern auch immer wieder Schauplatz wichtiger Ereignisse der argentinischen oder sogar der lateinamerikanischen Geschichte gewesen. Bis zur Gründung des Vize-Königreichs Rio de la Plata 1776 war Córdoba die wichtigste Stadt des Landes und zweimal sogar für kurze Zeit die Hauptstadt Argentiniens. 1918 führte eine Revolte der Studentenschaft der Universidad de Córdoba zu einem Modernisierungs- und Demokratisierungsprozess der Universitäten in ganz Lateinamerika. Der Volksaufstand Cordobazo 1969 läutete das Ende der Präsidentschaft des Diktators Onganía ein und ein weiterer Volksaufstand, der so genannte Viborazo (1971), führte schließlich zum Ende der Militärdiktatur. Nicht zuletzt ist Córdoba auch für die deutsche Geschichte nicht ganz unwichtig: 1978 verlor hier bei der Fußballweltmeisterschaft Deutschland gegen Österreich mit 2:3 und schied somit schon in der Vorrunde aus. In Deutschland wird dieses Ereignis die Schmach oder Schande von Córdoba genannt. In Österreich hingegen das Wunder von Córdoba.
In Córdoba findet man einige sehr sehenswerte Gebäude aus der Kolonialzeit, allen voran La Manzana Jesuítica (der jesuitische Häuserblock). Zu diesem Gebäudekomplex, der auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO steht, gehört auch die älteste Kirche des Landes: La Compañía de Jesús aus dem Jahr 1671. Ebenso gibt es aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als Argentinien eine aufstrebende Wirtschaftsnation war, einige prachtvolle Gebäude im Stil der Belle Époque, des Art Décos und im Jugendstil. Allerdings ist Córdoba insgesamt keine Stadt, die ausgesprochen historisch wirkt. Zum einen gibt es aus den 70er Jahren viele schmucklose, funktionale Gebäude und zum anderen ist in Córdoba seit den 90er Jahren eine sehr starke Bautätigkeit zu verzeichnen. Besonders im zentral gelegenen Stadtviertel Nueva Córdoba, das insbesondere bei jungen Leuten beliebt ist, sind in den letzten Jahren die Hochhäuser wie Pilze aus der Erde geschossen, sodass von der alten Bausubstanz bis auf einige unter Denkmalschutz stehende Gebäude nicht viel übrig geblieben ist. Zu erwähnen bleibt noch, dass sich beim Design der Hochhäuser in Córdoba ein besonderer Stil, nämlich der des Architekten José Ignacio Díaz durchgesetzt hat. Der Stil heißt Ladrillo visto, was wörtlich übersetzt „Sichtbarer Backstein“ heißt.
Córdoba ist nicht nur ein Bildungs-, sondern auch ein Wirtschaftszentrum. Die Stadt gehört zu den wohlhabenderen des Landes. Trotzdem gibt es auch hier bedauernswerterweise so genannte Villas Miserias (Elendsviertel). Insgesamt betrachtet, ist die Armut jedoch vergleichsweise gering ausgeprägt, auch wenn der Einkommensdurchschnitt unterdurchschnittlich ist. Doch das Vermögen ist gerechter verteilt und außerdem sind die Lebensunterhaltungskosten niedriger als im Landesdurchschnitt. Mit 77 % ist der Dienstleistungssektor der mit Abstand größte Wirtschaftssektor, wobei der Einzelhandel der umsatzstärkste ist. Seine Geschäfte konzentrieren sich im Zentrum, wo sich viele Passagen und eine gut besuchte Fußgängerzone befinden, in der sich die Geschäfte aneinanderreihen. Der industrielle Sektor nimmt zwar nur 18 % ein, ist jedoch ökonomisch weitaus wichtiger. Traditionell sind die Luftfahrt- und die Automobilindustrie von herausragender Bedeutung. Von Bedeutung sind heutzutage aber u.a. auch die Lebensmittel-, Bau-, Metall- und die Textilindustrie. Außerdem haben sich in den letzten Jahren immer mehr kleine wie große Technologiefirmen in Córdoba niedergelassen und man hofft, dass hier ein argentinisches Silicon Valley entsteht.
Ein guter Wohnort ist Córdoba aber nicht nur aufgrund der vielen guten Bildungseinrichtungen und guter wirtschaftlicher Bedingungen, sondern auch wegen des großen und vielfältigen Kultur- und Freizeitangebots. Nicht umsonst wurde die Stadt im Jahr 2006 zur Kulturhauptstadt Amerikas gewählt. Es gibt geradezu eine Unmenge an Museen in verschiedenen Bereichen. Allein die Universität betreibt 16 Museen. Auch die Theater- und Musikszene sind sehr lebendig. Es gibt ein paar große Theaterhäuser und darüber hinaus zahlreiche Kleinkunstbühnen. Von klassischer bis elektronischer Musik wird alles geboten. Die Universität betreibt ein eigenes Sinfonieorchester und einige der besten DJs des Landes kommen aus Córdoba. In sogenannten Arte-Bars wird abends Theater gespielt oder Konzerte aufgeführt. Außerdem ist Córdoba die Heimat des Cuartetos – einer fröhlichen Tanzmusik mit typisch lateinamerikanischen Rhythmen, die in den 90er Jahren ihren Erfolgskurs bis über die Landesgrenzen hinaus startete.
Wer die Nacht gerne zum Tage machen will, ist in Córdoba gut aufgehoben. Die Stadt ist bekannt für ihr gutes Nachtleben. Hierzu passt auch, dass nicht in Buenos Aires, sondern in Córdoba der erste explizite Club für Homosexuelle eröffnete. Wer es dann am nächsten Tag ruhiger angehen möchte/muss, hat dazu auf dem samstags und sonntags stattfindenden Paseo del las Artes Gelegenheit, einem Kunst- und Antiquitätenmarkt, der zu den größten und besten des Landes gehört. Darüber hinaus gibt es über das ganze Jahr verteilt verschiedene Feste und Festivals. Ein Höhepunkt ist jedes Jahr im Januar der einzigartige Córdobaer Karneval.
Bei vielen Argentinienbesuchern steht Córdoba auf dem Programm. Ein touristischer Hotspot ist die Stadt allerdings nicht. Die gleichnamige Provinz, deren Hauptstadt Córdoba ist, hingegen schon. Die westlich von Córdoba gelegenen Sierras de Córdoba stehen auf Platz drei der beliebtesten Ferienregionen des Landes. Ein touristischer Magnet ist hierbei das an einem Stausee gelegene Carlos Paz, das mit seinen Stränden, Restaurants, Bars, Clubs, Vergnügungsparks und einer gigantischen Kuckucksuhr die Massen anzieht. Es gibt jedoch auch idyllischere Orte in den Sierras und wer die Natur liebt, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten. Das Gebirge eignet sich hervorragend für Wanderungen, dann gibt es viele Flüsschen, die perfekt sind, um sich im Hochsommer abzukühlen und in der geschützten Quebrada del Condorito stehen die Chancen nicht schlecht, einen oder sogar mehrere Kondore zu beobachten. Zudem gibt es ein großes Angebot an Outdoor-Aktivitäten, wie zum Beispiel Reiten, Mountainbiking, Paragliding oder Wildwasserrafting.
Eine Besonderheit der Gegend um Córdoba sind die Estancias Jésuitcas, sprich Landgüter, die die finanzielle Grundlage der Jesuiten in Córdoba darstellten. Eine dieser Estancias steht im beschaulichen Alta Gracia, das nur 20 km von Córdoba entfernt liegt. Viele Touristen besuchen diesen Ort aber auch, weil hier einer der bekanntesten Argentinier einen Großteil seiner Kindheit und Jugend verbrachte: Ernesto „Che“ Guevara. In dem Haus seiner Familie befindet sich heute ein Museum.
Eine noch zu erwähnende Kuriosität ist schließlich die 6000-Seelen-Gemeinde Villa General Belgrano, in der vor allem Nachkommen deutschsprachiger Immigranten wohnen. Im Zentrum stehen alpin gestaltete Häuser, oftmals Restaurants, in denen Dirndl tragende Kellnerinnen Schwarzwälder Kirschtorte, Gulasch mit Spätzle und weitere bekannte Spezialitäten servieren. Einmal im Jahr ist der Ort richtig voll, wenn hier nämlich das Bierfest, das dem Oktoberfest nachempfunden ist, stattfindet. Aber auf dem Veranstaltungskalender stehen noch weitere Feste, die an die Herkunft der Einwohner erinnern sollen: das Fest der Wiener Torten und das Schokoladenfest.
AnfrageformularDownload

Zurück zu den Praktikumsorten

Kontaktiere uns