Valparaiso und Viña del Mar

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Valparaiso und Viña del Mar

Gegensätze ziehen sich an: 120 km von Santiago entfernt liegen gemeinsam in einer Bucht das nostalgische Valparaiso und der schicke Badeort Viña del Mar. Zusammen mit anderen angrenzenden Städten bilden sie den zweitgrößten Ballungsraum Chiles, in dem ca. 1 Millionen Menschen wohnen.
Valparaiso (oder kurz: Valpo) ist eine Hafenstadt und wurde einst „la Perla del Pacífico“ (die Perle des Pazifiks) genannt. Diese „goldenen“ Zeiten – sie lagen im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts – gehören zwar schon längst der Vergangenheit an, doch waren sie prägend. Es war die Zeit, in der die Stadt sich über ihre 44 cerros (die genaue Zahl der Hügel ist umstritten) wild ausbreitete. Die Bautätigkeit war schneller als die Planung, sodass eine bunte und chaotische Stadtarchitektur entstand, die der Stadt ihren einzigartigen Charme verleiht.
Valparaiso ist eine der ältesten Städte Chiles. Doch die Stadt, was gut zu ihrem anarchischen Antlitz passt, wurde nie offiziell in der Form gegründet, wie es die Gesetze der spanischen Krone verlangten. 1536 entdeckte der spanische Eroberer Juan de Saavedra die Bucht von Valparaiso, in der die Changos, ein friedliebendes, indigenes Volk, lebten. Saavedra benannte den Ort nach seinem Heimatdorf: Valparaiso = Paradiestal. Obwohl Valparaiso zum Hafen von Santiago auserkoren wurde, entwickelte sich die Stadt während der Kolonialzeit nur sehr langsam. Denn die Geschichte der Stadt ist von zahlreichen Schicksalsschlägen, wie zum Beispiel Erdbeben, Piratenangriffen und Bränden geprägt. Mehrmals wurde die Siedlung beinahe aufgegeben. So blieb die Stadt lange Zeit ein unbedeutendes Fischerdorf.
Zwar entwickelte sich Valparaiso ab dem 17. Jahrhundert stetig und der Hafen wurde immer wichtiger, aber der entscheidende Entwicklungsschub kam erst mit der chilenischen Unabhängigkeit 1810, da nun dem beschränkten Handel durch die Spanier ein Ende gesetzt wurde. Fortan war die Entwicklung rasant: Valparaiso wurde zum größten Handelszentrum des gesamten südlichen Pazifikraums. Alle Schiffe, die um das Kap Horn oder durch die Magellanstraße am südlichen Ende des Kontinents fuhren, steuerten Valparaiso an.

Franzosen, Italiener und Spanier kamen in mehreren Immigrationswellen in die Stadt. Die Einwanderer kamen vielfach aus dem Bürgertum und wussten, wie man Geschäfte macht. Zudem brachten sie allerhand Neuerungen aus Europa in die Stadt mit. Valparaiso wurde zum Vorreiter und hängte Santiago in der Entwicklung ab. Valparaiso war die erste Stadt des Landes, in der die Bevölkerung gegen Pocken geimpft wurde, hier gab es das erste Dampfschiff, die erste Sternwarte, das erste Fotoatelier, die erste Brauerei, die erste Buchhandlung und die erste öffentliche Bibliothek; hier wurde die erste Handelsbörse Chiles, die erste nicht-staatliche Bank, die erste Feuerwehr und sogar die erste spanischsprachige Zeitung der Welt gegründet.

Die Stadt wuchs und wuchs: auf den Hügeln entstand ein buntes Häusermeer, durch das sich schmale, teils sehr enge Straßen und Treppen hinaufschlängeln. 1883 wurde am Cerro Concepción die erste von später 30 Standseilbahnen, die zum Wahrzeichen der Stadt geworden sind, in Betrieb genommen. Heute gibt es nur noch 16 dieser technischen Meisterleistungen, von denen nur noch 4 in Betrieb sind. Einige werden derzeit restauriert und zum Glück gibt es Pläne, drei weitere stillgelegte Aufzüge wieder instand zu setzen.
Da die Immigranten auch ihre Architektur mitbrachten, entstand in Valpo ein Mix verschiedener Stile, wobei sich die europäischen Stile den Gegebenheiten Chiles anpassten. Besonders hervorstechend ist – aufgrund der hohen Zahl englischer Immigranten – der viktorianische Stil. Allerdings stammen viele Gebäude aus der Zeit nach 1906, weil Valparaiso in diesem Jahr von einem schweren Erdbeben heimgesucht wurde. Deshalb verwendete man, als man die Stadt rekonstruierte, erdbebensicherere Materialien, wie z.B. Holz.
Nach einem glanzvollen Jahrhundert setzen mehrere ungünstige Ereignisse und Umstände der Hochphase der Stadt ein jähes Ende: Der Bau eines Hafens in San Antonia, der wesentlich näher bei Santiago liegt, das Ende des Salpeterbooms, der Erste Weltkrieg, die Weltwirtschaftskriese 1928 und am allermeisten die Eröffnung des Panamakanals 1914.

Mit dem wirtschaftlichen Verfall und der Abwanderung der ökonomischen Elite begann die Zeit der Bohème. Viele Intellektuelle, Maler und Schriftsteller, wie z.B. den chilenischen Literatur-Nobelpreisträger Pablo Neruda, zog es in die Stadt. Es wurde ein hedonistisches Leben geführt und die Nacht zum Tage gemacht. Mit dem Militärputsch 1973 endete auch diese Zeit. Während der Militärdiktatur ging es der Stadt nicht gut. Die Arbeitslosigkeit war immens, die Armut griff um sich.

Seit der Rückkehr zur Demokratie geht es mit Valpo glücklicherweise wieder aufwärts. Auch wenn man von den glanzvollen Zeiten noch weit entfernt ist und der Hafen nicht mehr der wichtigste des Landes ist, gehören die Stadt und ihre Umgebung zu den ökonomisch stärksten Regionen des Landes. Die Stadt steht auch bei Künstlern, Kreativen und Studenten wieder hoch im Kurs und zieht zudem viele Menschen aus dem Ausland an, was der Stadt ein lebendiges und kosmopolitisches Flair verleiht. Dazu tragen nicht zuletzt die zahlreichen sehr künstlerischen Graffitis an Hauswänden bei. Valparaiso hat einige der besten Universitäten Chiles, ein vielfältiges Kulturleben sowie ein umfangreiches Angebot für Nachtschwärmer, sodass die Stadt sogar als kulturelle Hauptstadt des Landes gilt. So gibt es z.B. zahlreiche – oft kostenlose – Festivals. Ebenso sind in Valparaiso einige wichtige politische Institutionen Chiles ansässig. Hierzu gehören der Congresso (das Parlament), der Hauptstützpunkt der Marine, der Nationale Rat für Kultur und Kunst u.a.
Seitdem die Altstadt von Valparaiso, d.h. der Cerro Alegre und der Cerro Concepción, im Jahr 2003 zum Weltkulturerbe erklärt wurde, kommen immer mehr Touristen und verlieben sich in diese Stadt, die vielen wie ein großes Freilichtmuseum voller Kuriositäten vorkommt. Leider haben dadurch auch reiche Santiaguinos und Immobilienmakler das Flair von Valparaiso für sich entdeckt, sodass die Immobilienpreise auf einigen Hügeln in die Höhe getrieben werden. So ist auch in Valparaiso die Gentrifizierung angekommen. Doch egal, was die Zukunft bringt, Valparaiso hat schon viele schwierige Phasen durchstanden, hat sich jedoch stets aufgerappelt und bei allem immer seinen Charme bewahrt.

Viña del Mar

Nur 8 km nördlich von Valpo liegt Viña del Mar (kurz: Viña). Doch trotz ihrer Nähe unterscheiden sich die Städte fundamental: Viña del Mar (wörtlich = Weingarten am Meer), wo einst tatsächlich Wein angebaut wurde, wurde am Reißbrett geplant. Die Stadt ist – wie in Chile oft üblich – im Schachbrettmuster angelegt, und sie ist darüber hinaus sehr aufgeräumt und gepflegt. In den Straßen stehen viele Bäume, oft Palmen, und es gibt viele Grünanlagen, weshalb die Stadt auch gerne als „Ciudad Jardín“ (Gartenstadt) bezeichnet wird. Insgesamt geht es weniger hektisch zu.
Die Stadt ist vor allem als der beliebteste Badeort Chiles bekannt. Das Ambiente ist mondän und exklusiv. Die Stadt ist laut einer Umfrage der beste Ort in Chile zum Leben und Arbeiten. Im Vergleich zu Valpo lässt sich ein starkes Reichtumsgefälle feststellen: wer es sich leisten kann, zieht nach Viña. Auch viele wohlhabende Santiaguinos haben hier in einem der modernen Wohnblocks eine Ferienwohnung.
Doch bereits in früherer Zeit zog es die Oberschicht nach Viña. Dies begann vor allem durch den Anschluss ans Eisenbahnnetz, wodurch Viña nicht nur zum Badeort sondern auch – was man nicht mehr auf den ersten Blick sieht – ein Industriestandort wurde. Einen Schub in Richtung zu einem schicken Wohnort brachte dann vor allem das heftige Erdbeben 1906, das in Valparaiso große Zerstörungen anrichtete. Ein Großteil der Reichen entschloss sich daraufhin nach Viña überzusiedeln. Dies lässt sich noch heute an der Vielzahl der Wohnpaläste, die über die Stadt verteilt sind, erkennen.
Besonders im Januar und Februar, wenn in Chile Ferienzeit ist, füllt sich die Stadt. Die Touristen belagern nicht nur die Strände, sondern auch die vielen Cafés, Bars, Restaurants und Clubs. An der Strandpromende sieht man zahlreiche Familien und Pärchen spazieren oder man ist – was in Chile seit wenigen Jahren immer beliebter wird – mit dem Fahrrad unterwegs. Schließlich besuchen viele Viñas Casino, das als das bekannteste Chiles gilt.
Viña hat jedoch mehr zu bieten. Es gibt auch ein sehr gutes kulturelles Angebot und damit ist nicht unbedingt das Festival Internacional de la Canción gemeint, bei dem nicht nur lateinamerikanische Stars, sondern schon viele international bekannte Künstler aufgetreten sind: wie zum Beispiel Franz Ferdinand, Faith No More oder Elton John. Es gibt ein sehr gutes Stadttheater, ein Filmfestival, Sportveranstaltungen und zahlreiche Museen. Besonders sehenswert ist das Museo Fonck, das eine anthropologische und geschichtliche Sammlung besitzt. Es informiert nicht nur über die unterschiedlichen Völker und Kulturen und die Tierwelt Chiles, sondern hat vor allem eine große Sammlung der Osterinsel. Im Garten steht unter anderem eine der großen Steinfiguren der Insel, ein sogenannter Moai, von denen außerhalb der Osterinsel nur hier und im Bristish Museum in London einer steht.
Valparaiso und Viña del Mar sind Touristenmagnete, doch auch die Region insgesamt zieht zahlreiche Touristen an. Die Region zählt zu einem der beliebtesten Urlaubsziele Chiles. Um Valpo und Viña gibt es weitere Badeorte. Manche von ihnen sind eher exklusiv, andere sind eher Fischerdörfer, wo das Ambiente rustikaler und ursprünglicher ist. Doch nicht nur das Strandvergnügen lockt die Touristen an: Auch Wanderungen und Reittouren durch große Dünenlandschaften sind möglich, von den Felsenküsten gibt es einen herrlichen Blick auf die Küsten und den Pazifik und in La Isla Negra (keine Insel!) steht ein weiteres kunstvoll eingerichtetes Haus von Pablo Neruda, wo er und seine Frau die letzte Ruhestätte gefunden haben. Eine Besonderheit ist die Isla de Cachagua, die sich 64 km nördlich von Viña befindet. Die unter Naturschutz stehende Insel ist die Heimat von 10 % der weltweit lebenden Humboldt-Pinguine.
Von den Naturschönheiten im Inneren des Landes ist besonders der Nationalpark La Campana hervorzuheben. Der 80 km² große Park ist bekannt für seine Eichen- und Palmenwälder. Der Park hat auch eine vielfältige Fauna und wer Glück hat, kann hier sogar Condore bei ihrem majestätischen Flug über die Anden beobachten.
In den Anden im Osten der V. Region befinden sich drei Spitzenreiter: der mit 6962 Metern höchste Berg Amerikas (Monte Aconcagua) – der jedoch schon zu Argentinien gehört, der nördlichste Gletscher der Südhalbkugel (Glaciar Juncal) und schließlich das centro de esquí Portillo, das einzige Skigebiet der Südhalbkugel, in dem bis jetzt eine Skiweltmeisterschaft ausgetragen wurde.

Die Täler der V. Region sind vielfach landwirtschaftlich geprägt, wobei der Weinanbau seit den 80er Jahren immer wichtiger wird, da sich durch die Kombination von fruchtbaren Böden, mediterranem Klima und Nähe zum Meer Weißweine und leichte Rotweine mit einer unverkennbaren einzigartigen Note produzieren lassen.

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